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Mein erstes Mal!

Nachschlag

„Es ist ganz klar zu sehen, dass asymmetrische Beziehungen als unfair empfunden werden, auch wenn man bezahlt wird“, schließt Gerold Permoser, Chief Investment Officer (CIO) und Chief Sustainable Investment Officer (CSIO) der Erste Asset Management, aus einer Umfrage unter KollegInnen.

Ich habe gerade eine schnelle Umfrage unter meinen KollegInnen gemacht. Wann habt ihr das erste Mal gearbeitet? Mein erstes, als solches empfundenes Arbeitserlebnis, war mit 13 Jahren im Internat. Der Internatsleiter stand eines Tages vor uns Kindern und erklärte, dass er Freiwillige suche. Mit einem „Du, du und du!“ waren diese auch sehr schnell gefunden und abkommandiert. Das Dach des Gebäudes, ein majestätisch über dem Inntal thronender barocker Bau, wurde erneuert. Bauschutt musste vom Dach und Dachziegel abtransportiert werden. Dazu bekamen wir blecherne Salatkübel in die Hand gedrückt und die Arbeit begann. Bezahlt wurden wir nicht.

War das Kinderarbeit? – Nein und es als solche zu bezeichnen würde echte Kinderarbeit verharmlosen. Dennoch zeigt diese Geschichte und auch die anderen Geschichten von unseren ersten Malen aus meiner privaten Umfrage unter KollegInnen, wie unterschiedlich Arbeit wahrgenommen wird. Einiges davon spiegelt sich auch in der Diskussion rund um Kinderarbeit wider.

Das beginnt bei der grundsätzlichen Frage, ob etwas überhaupt als Arbeit empfunden wird. Manche KollegInnen haben Autowaschen und Gartenarbeit im Kindesalter für sich als Arbeit definiert. Andere haben das sicherlich auch gemacht, aber nicht als Arbeit definiert. Für sie ist es eine schöne Kindheitserinnerung mit Ertüchtigungscharakter. Dahinter liegt sicherlich die Frage, ob man musste oder durfte, ob „alle“ mitmachten, ob man dafür etwas bekommen hat und ob auch Zeit für Spaß und Gemeinschaftserlebnisse blieb.

Sehr unterschiedlich war auch das Alter, das die KollegInnen zu ihrem ersten Arbeitserlebnis genannt haben. Während einige wenige ihr erstes Arbeitserlebnis schon im Volksschulalter hatten, waren andere dabei, die ihr erstes Arbeitserlebnis im Alter von zehn bis 14 Jahren hatten. Letztere erzählten Geschichten, die ich zum Teil bereits als „echte“ Arbeit ansehen würde. Die meisten dieser Beispiele spielten sich im Tourismus- und Landwirtschaftsbereich ab. Das gemeinsame Element war hier vor allem, dass diese Arbeit im Familienverbund stattfand. Ein Element, das auch bei klassischer Kinderarbeit oft zu beobachten ist.

Der größte Teil der Befragten hat mit 14 und 15 Jahren, - per Definition also keine Kinderarbeit - „gearbeitet“. Viele mussten im Rahmen ihrer Ausbildung Pflichtpraktika absolvieren. Diese wurden in den meisten Fällen als schlechtbezahlt und unfreiwillig empfunden. Hier ist ganz klar zu sehen, dass asymmetrische Beziehungen als unfair empfunden werden, auch wenn man bezahlt wird.

Was ist die Conclusio? Einige von uns haben selber schon vor dem Alter von 14 Jahren einmal „richtig arbeiten“ müssen. Niemand hat das allerdings als Kinderarbeit definiert. Kinderarbeit ist Arbeit, die Kinder um ihre Kindheit bringt, ihnen Potential und Würde raubt und physisch und psychisch schadet. Diese Definition zeigt die Probleme der Kinderarbeit auf, sie liefert aber keine Checkliste, wie man Kinderarbeit immer und überall zweifelsfrei identifizieren kann.

[Gerold Permoser]

iStock
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