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Lösungsansätze für Kinderarbeit

Investment Board

Das Erste AM Investment Board ist ein strukturierter, kontinuierlicher und zeitnaher Dialog mit und unter den Nachhaltigkeits-Research-Agenturen. Das Board bietet die Möglichkeit eines Abstimmungsprozesses von eigenem mit externem Research. Diskutiert werden auch Details zu Ratings, die ESG-Einschätzung der IPOs neuer Emittenten und Nachhaltigkeitsthemen im Allgemeinen.

Die gute Nachricht zu Beginn: Kinderarbeit geht zurück. Das zeigen sowohl die Daten unserer Researchpartner, als auch jene der International Labour Organization (ILO). Laut ILO ist die Zahl arbeitender Kinder unter 14 Jahren, zwischen 2008 und 2012, um rund 12 Prozent gesunken. UNICEF schätzt, dass „nur“ noch zehn Prozent aller Kinder in Entwicklungsländern arbeiten müssen.

Dies zeigt allerdings nur eine Seite der Medaille: Während die bekannten Fälle von Kinderarbeit bei den großen, internationalen Unternehmen und ihren wichtigsten direkten Zulieferern tatsächlich rückläufig sind, besteht das Problem der Kinderarbeit weiterhin in der erweiterten Lieferkette, z.B. beim Abbau von Rohstoffen. Gerade in den am wenigsten entwickelten Staaten sieht UNICEF noch immer rund ein Viertel der Kinder von Kinderarbeit betroffen.

Es gibt keine einfache Lösung

Die Lösung klingt grundsätzlich einfach: Unternehmen sollen keine Kinder einstellen. Leider ist die Realität sehr viel komplizierter, als nur das Alter oder gefälschte Ausweise von Jugendlichen zu kontrollieren. Auch der Boykott von Waren aus Risikogebieten, wie beispielsweise dem Kongo, ist nicht zielführend. Solche Maßnahmen führen dazu, dass Kinder deren Familien auf das zusätzliche Einkommen angewiesen sind, aus der Fabrik in teils noch schädlichere Formen der Kinderarbeit, wie in Mienen, oder in die Prostitution gedrängt werden.

Idealerweise müsste man die Löhne der Eltern soweit steigern, dass diese ihre Familie auch ohne das Einkommen der Kinder versorgen können. Zusätzlich muss es Lösungen geben, um Schulen sowohl organisatorisch als auch finanziell allen zugänglich zu machen. Das ist zwar die Aufgabe des Staates, doch gibt es auch Vorreiterunternehmen, die an ihren Standorten entsprechende Schulen gebaut haben.

Unternehmen verstecken sich hinter Zertifizierungen

Einen pragmatischen Zugang stellen Kontrollen und die aktive Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Lieferkette. Gerade die Rohstoffproduzenten sind wichtig, weil hier die Risiken am höchsten sind. Es macht einen grundlegenden Unterschied, ob ein Textilunternehmen eine direkte, langfristige Partnerschaft mit seinen Baumwollbauern unterhält oder sich nur preisgetrieben auf den Weltmärkten eindeckt. Industrieinitiativen wie Better Cotton oder Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) in der IT Industrie unterstützen diese Entwicklung. Allerdings warnen die Experten, dass sich Unternehmen noch immer hinter Initiativen und Zertifizierungen verstecken, anstatt selbst aktiv das Problem zu bekämpfen. Samsung in der IT, Cargill im Baumwollhandel und Mondelez im Bereich Kakao werden von unseren Partnern als negative Beispiele dafür genannt.

Selbst wenn das Gesamtbild trotz aller Verbesserungen noch düstere Stellen zeigt, gibt es Hoffnung. War Kinderarbeit bisher vor allem ein Reputationsrisiko wird es immer mehr zu einem operativen Risiko. 2016 wurde, ausgehend von Kaliforinien in den USA ein bundesweites Gesetz erlassen, wodurch Unternehmen nachweisen müssen, dass ihre Produkte frei von Zwangs- und Kinderarbeit sind. Verstoßen Waren dagegen können diese konfisziert werden. Auch in Großbritannien gibt es mittlerweile ein ähnliches Gesetz und weitere werden hoffentlich folgen.

[Dominik Benedikt]

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